Camillo Sitte lebte 1843 bis 1903 und gilt als Wegbereiter der neuzeitlichen Städtebaukunst.

Als ehemaliger Direktor unserer Vorgängerschule, der ersten Staatsgewerbeschule in Wien, erweckte er das Interesse am Gesamtbild alter Städte und verband sie in Theorie und Praxis mit der modernen Stadt. Seine Erkenntnisse und Aussagen zu Raumbildung und Raumfolge haben bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

Nur wenige Schulen dürfen sich nach einer solchen Persönlichkeit nennen. Für das CAMILLO SITTE BAUTECHNIKUM HTBLVA Wien III (ehemals CAMILLO SITTE LEHRANSTALT HTBLuVA Wien III) ist diese Auszeichnung ein Auftrag, den hohen Anspruch Camillo Sittes in Theorie und Praxis fortzuführen.

Camillo Sitte studierte nach Absolvierung des Piaristengymnasiums ab 1863 Architektur am Wiener Polytechnischen Institut, unter anderem bei Heinrich von Ferstel. Nebenbei war er Gasthörer an der Universität Wien und besuchte bei Rudolf von Eitelberger Vorlesungen aus Kunstgeschichte und Archäologie. Ab 1871 übernahm er von seinem Vater, Franz Sitte, den Auftrag für die Erneuerung der Mechitharistenkirche in Wien Neubau. Neben seiner Tätigkeit als Architekt war Sitte von 1875 bis 1883 Direktor an der neugegründeten Staatsgewerbeschule in Salzburg. Im Jahre 1883 erhielt er den Auftrag, in Wien die erste Staatsgewerbeschule zu gründen, der er dann als Direktor bis zu seinem Tod im Jahr 1903 vorstand. Besondere Bedeutung erlangte Sitte durch die intensive Beschäftigung mit Fragen des Städtebaus.

Er galt als führender Stadtbautheoretiker des 19. Jhdts, entwickelte Bebauungspläne für Klein- und Mittelstädte und war als Juror sowie Gutachter bei Bebauungsvorschlägen tätig. Im Jahre 1889 veröffentlichte er sein wohl bedeutendstes, richtungsweisendes Werk „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen. Ein Beitrag zur Lösung der modernsten Fragen der Architektur und monumentalen Plastik unter besonderer Beziehung auf Wien“, das mehrere Auflagen und Übersetzungen erlebte. Darin präsentierte er die Morphologie städtischer Räume und wies auf die Qualitäten organisch gewachsener Stadtstrukturen hin. Gemeinsam mit dem Berliner Landesbauinspektor Theodor Goecke gründete er kurz vor seinem Tod die Zeitschrift „Der Städtebau“, die erstmals 1904 erschien.

Camillo Sitte hat ein Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof. Sein Nachlass befindet sich im Universitätsarchiv der Technischen Universität Wien und seine Bibliothek wird in der Universitätsbibliothek der TU Wien aufbewahrt.

Quellen: Der Originaltext stammt von www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/9500, Wilhelm, Karin, „Sitte, Camillo Franz“ in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 477-479 www.deutsche-biographie.de/ppn118797441.html, „Sitte Camillo“ in: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 309f. www.biographien.ac.at/oebl_12/309.pdf, Universitätsarchiv der TU Wien unter www.tuwien.ac.at/dle/archiv